Raiffeisen Bank muss Sitzung wegen Zwischenruf unterbrechen

Während der Hauptversammlung der Raiffeisen Bank in Wien kommt es zu einem Zwischenfall. Ein Aktionär kritisiert lautstark die Aktivitäten der zweitgrößten österreichischen Bank in Russland. Diese hat unterdessen ganz andere Sorgen.

Die Raiffeisen Bank International (RBI) musste ihre Hauptversammlung in Wien wegen eines lautstarken Protests kurzfristig unterbrechen. Gegen Mittag meldete sich ein Mann zu Wort und warf der Bank kriegstreiberische Investitionen in Russland vor. Ihm zufolge ist der RBI alleine der Profit wichtig. "Russland wird den Krieg weiterführen, solange die RBI investiert", rief der Mann.

Aufsichtsratschef Erwin Hameseder forderte ihn mehrfach auf, sich zu setzen und Disziplin zu üben. "Wenn Sie eine Wortmeldung haben, dann melden Sie sich zu Wort und gehen Sie wie alle anderen Aktionäre ordnungsgemäß zum Rednerpult und dort haben Sie die Möglichkeit als Aktionär zu sprechen", stellte Hameseder klar. Da der Mann seine Kritik ungeachtet der Ermahnungen fortsetzte, wurde die Hauptversammlung für einige Minuten unterbrochen.

Die RBI zieht sich derzeit schrittweise aus dem Russland-Geschäft zurück. Aufgrund eines laufenden Rechtsstreits kann sie ihre russische Tochter derzeit jedoch nicht verkaufen. Das russische Unternehmen Rasperia fordert von der Raiffeisen Bank 1,9 Milliarden Euro Schadenersatz. Der Rechtsstreit geht auf die Beteiligung von Rasperia am Baukonzern Strabag zurück.

Aufgrund der EU-Sanktionen sind diese Anteile eingefroren, weshalb Strabag keine Dividenden an ihren russischen Kernaktionär auszahlt. Rasperia fordert daher vor einem russischen Gericht Schadenersatz. Da weder Strabag noch ihre österreichischen Kernaktionäre Vermögenswerte in Russland besitzen, fordert Rasperia jetzt stattdessen Schadenersatz von der RBI.